Sport zum Ausgleich – Meine zwölf Wochen mit Franzi

Dass Sport bei Depressionen hilfreich ist, habe ich bereits erwähnt. Die vorgefertigten Trainingspläne bei Fitnessraum und NewMoove waren nichts für mich, da immer Kurse dabei waren, mit denen ich nicht warm wurde. Gänzlich alles selbst zusammenzustellen, funktioniert für mich aber auch nicht. Daher habe ich mich nun wieder bei mybod-e angemeldet. Ich habe dort bereits einmal mit dem Shape-Programm mit Franziska van Almsick begonnen, war dann aber länger (körperlich) krank und musste es daher abbrechen. In der Zeit, in der ich es ich es gemacht habe, fand ich es gut, daher möchte ich es nun bis zum Ende durchziehen und hoffe, mein Körper macht mir keinen Strich durch die Rechnung.

12 Wochen Sportprogramm – ein Selbsttest

Jede Woche gibt es zwei Trainingsvideos, eines mit längeren Erklärungen und noch eines mit dem Trainer Arne D., das weniger Pausen beinhaltet und dadurch knackiger ist. Zusätzlich empfiehlt mybod-e noch Übungen aus dem persönlichen Trainingsplan, der auf Basis des Fitnesstests erstellt wird, diese lasse ich jedoch weg und nehme stattdessen meine Lieblingskurse von anderen Plattformen dazu. Dass ich an drei Stellen zahle, macht das Ganze zwar zu einem etwas teureren Vergnügen, als wenn ich nur auf einer Seite angemeldet wäre, zugleich bleibe ich so aber eher am Ball. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich die Abwechslung brauche, um mich nicht nach wenigen Wochen zu langweilen. Ich könnte auch nach einigen Monaten wechseln und habe das schon probiert, die Mischung aus mehreren Arten von Fitnessvideos parallel funktioniert aber für mich. Nun zahle ich etwa so viel wie für ein günstiges bis mittelpreisiges Studio vor Ort, bleibe aber flexibel und kann fluchen, wie ich will. Wenn es um anstrengendes Training geht, ist es für alle Beteiligten besser, wenn ich es nicht in der Öffentlichkeit absolviere. Mir hilft es beim Durchhalten, den Trainer anzumaulen, und da er es nicht hört, ist das daheim nicht mal unhöflich.

Am Training mit Franziska van Almsick mag ich, dass sie auch ordentlich ins Schwitzen kommt, denn sie hat das Training nach einer längeren Sportpause absolviert. Sie verbirgt nicht, dass manche Übungen auch für sie anstrengend sind und meckert auch mal, wenn sie einen schlechten Tag hat. Das macht es für mich leichter mitzuhalten, als wenn ein paar durchtrainierte Fitnessmodels munter in die Kamera lächeln und Liegestütze machen, als gebe es nichts Leichteres auf der Welt. Franzi ist auch mal genervt. Das ist menschlich, mir geht es auch so, wenn die Muskeln zittern und brennen und ich mich insgeheim frage, ob Fitnesstrainer nicht eine sadistische Ader haben.

Was tut das Training für meinen wirren Kopf?

Ich werde es herausfinden. Heute habe ich mit dem ersten Video aus Woche 1 begonnen. Es war anstrengend, aber machbar. Ich bin gespannt, wie es bei den folgenden Trainings sein wird und wie es mir nach den 12 Wochen geht. Einen Vorher-Nachher-Vergleich mit Gewicht oder Optik mache ich aber nicht, denn es geht mir um Fitness und Wohlbefinden, nicht um Zahlen. Die positiven Aspekte stellen sich ohnehin oft vor den messbaren Ergebnissen ein. Wenn ich eine Weile trainiert habe und es wirklich anstrengend war, sehe ich mich danach meist in milderem Licht, obwohl sich am Aussehen nach einem Kurs gewiss nichts getan hat. Daher werde ich in meinem Erfahrungsbericht den Fokus auch weniger auf Gewichtsabnahme, Muskelaufbau oder Bikinifigur legen, sondern darauf, was es mit mir auf mentaler Ebene macht. Fühle ich mich besser? Wann schlägt es um von „trainieren müssen, weil ich im Kopf weiß, dass es hilft“ zu „trainieren wollen, weil ich merke, dass es gut für mich ist“ und tut es das überhaupt? Ich halte euch auf dem Laufenden.

Übrigens fange ich zwar nicht bei Null an, habe aber erst krankheits- und dann verletzungsbedingt eine mehrwöchige Pause hinter mir. Außerdem erwähnenswert: Ich schreibe das, weil ich euch berichten möchte, wie ich meinen Weg der Besserung beschreite, und Sport gehört dazu. Ich bekomme nichts für diese Artikel, es ist keine Werbung, ich probiere aus eigenem Antrieb etwas aus und erzähle euch davon.

Habt ihr auch Erfahrungen mit Fitnessplattformen im Internet? Welche gefallen euch, welche nicht, und warum? Kommt diese Art von Training für euch überhaupt infrage oder seid ihr lieber im Studio oder im Verein? Ich bin neugierig auf eure Antworten :-).

Kleines Glück: Freizeitparks

Wie angekündigt möchte ich hier nicht nur über die Schattenseiten des Lebens berichten, sondern auch über die kleinen Dinge, die es schöner machen und uns Glücksmomente bescheren.

Beginnen möchte ich mit Freizeitparks. Oft habe ich als Kritik gehört, dass sie eine heile Scheinwelt aufbauen, und jedes Mal frage ich mich: Was ist so falsch daran? Warum sollte es verwerflich sein, sich für einige Stunden in eine andere Welt entführen zu lassen, wohl wissend, dass sie künstlich geschaffen ist? Ich mag auch anspruchsvolle Unterhaltung, lese Literaturklassiker und besuche nachdenkliche Theatervorstellungen. Manchmal möchte ich aber einfach einen Tag Spaß haben, staunen und Kind sein.

Und ab und an brauche ich es, den Kopf eine Weile abzuschalten. Auch das funktioniert in Freizeitparks bestens, vor allem bei Achterbahnen. Hast Du schon einmal versucht, über die Ungerechtigkeiten des Lebens nachzugrübeln, während Du mit hundert Stundenkilometern eine steile Abfahrt hinunter gesaust bist? Es funktioniert nicht. Nicht immer, aber oft, geht es mir daher nach einem Besuch in einem Freizeitpark deutlich besser.

Manchmal bietet solch ein Park auch eine sichere Herausforderung, etwa wenn eine Bahn Angst macht und man sie doch fahren möchte. Im Europa Park habe ich etwa das erste Mal vor der Wodan gekniffen, nachdem ich sie fünf Minuten lang beobachtet hatte, doch beim nächsten Besuch war der Reiz größer, und ich habe doch einen Versuch gewagt. Inzwischen ist sie meine Lieblingsbahn. Vielleicht traue ich mich an die Silver Star und die Blue Fire auch noch ran, wir werden sehen.

Ich mag aber auch die ruhigen Fahrgeschäfte. Ja, ich finde es mit 34 Jahren immer noch lustig, wenn Figuren bei einer Elfenfahrt winken und „Hallo“ rufen. Nur weil Peter Pan nie gekommen ist, um mich nach Nimmerland zu holen, muss ich schließlich nicht ganz und gar erwachsen werden. Es wäre ein trauriges Leben, wenn ich nicht mehr Kind sein dürfte. Schön gestaltete Freizeitparks bieten mir einen schönen Rahmen dafür.

Der Schweinehirt (Meine liebste Blogparade – Märchen)

Meine_Liebste_Blogparade

Bei The Fantastic World of Mine gibt es jeden Monat „Meine liebste Blogparade“, dieses Mal zum Thema Märchen.

Ein Märchen auszuwählen, war gar nicht so leicht, denn es fällt mir schwer, mich auf eines festzulegen. Ich liebe „Die kleine Meerjungfrau“ und „Die Schöne und das Biest“, ebenso wie „Das kalte Herz“, „Die sieben Raben“ oder „Die wilden Schwäne.“ Letztendlich fiel meine Wahl aber auf „Der Schweinehirt“, ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen.

Das Märchen:

Der Prinz in dieser Geschichte ist arm und besitzt nur ein kleines Königreich, doch trägt er einen guten Namen, und viele Prinzessinnen hätten ihn gerne genommen. Doch hat er sich ausgerechnet die Tochter des Kaisers zur Braut erkoren. Ihr Herz versucht er mit zwei besonderen Geschenken zu erringen: Er besitzt einen Rosenstrauch, der nur alle fünf Jahre blüht. Dessen Blüte schenkt er ihr. Sie duftet so gut, dass jeder, der daran riecht, allen Kummer vergisst. Außerdem schenkt er ihr eine Nachtigall, die wundervoll singen kann. Nur kurz findet die Prinzessin gefallen an diesen Gaben, dann erkennt sie, dass beide natürlich und nicht künstlich sind und weist sie ab. In ihrer Enttäuschung weigert sie sich, den Prinzen zu sehen.

Daraufhin verkleidet er sich und bittet um Arbeit im Schloss. Von nun an dient er als Schweinehirte. Er besitzt einen Topf, der beim Wasserkochen die Melodie von „Ach, du lieber Augustin“ spielt. Die Prinzessin schickt eine Hofdame, um nach dem Preis zu fragen. Der Schweinehirte verlangt zehn Küsse von ihr. Zunächst weigert sich die Prinzessin, doch dann willigt sie ein. Daraufhin fertigt er ein Instrument, das alle Tanz- und Walzerlieder spielen kann. Die Prinzessin begehrt dieses so sehr, dass sie sich bereit erklärt, ihm hundert Küsse zu geben. Ehe er diese erhalten hat, bemerkt dies der Kaiser, schlägt seine Tochter mit einem Pantoffel auf den Kopf und verbannt sie und den Schweinehirten aus seinem Kaiserreich. Die Prinzessin bedauert nun, den Prinzen nicht genommen zu haben. Daraufhin legt er die Tracht des Schweinehirten ab. Er wirft ihr vor, dass sie keinen ehrlichen Prinzen wollte und sich nicht auf die Rose und die Nachtigall verstand, aber bereit war, einen Schweinehirten für eine Spielerei zu küssen, weshalb er sie nun verachtet. Er kehrt in sein Königreich zurück und verschließt der Prinzessin die Tür vor der Nase. Sie bleibt traurig zurück und singt „Ach, du lieber Augustin, alles ist hin, hin, hin!“

Warum gerade dieses Märchen?

Weil es nicht, wie so viele ähnliche Geschichten, mit einer Läuterung der hochmütigen Prinzessin endet. Hier gibt es keinen verzeihenden Prinzen, der ihr nur eine Lektion erteilen möchte, sondern einen, der seinen Stolz besitzt und nicht alles mit sich machen lässt. Er erkennt den schlechten Charakter seiner Herzensdame und wendet sich von ihr ab. Das mag grausam scheinen, aber es ist näher am wahren Leben als die verbreitetere Version, in der am Ende alles gut wird, weil sich die Hochmütige besinnt und zu einem guten Menschen wird. Der Prinz gab ihr kostbare Gaben, doch sie hat sie verschmäht. Wie sollten sie je zueinander passen, wenn sie keinen Sinn für die Dinge hat, die ihm am Herzen liegen? Was aus der Prinzessin wird, erfahren wir nicht. So hart es für sie sein mag, mir gefällt, dass er ihr die Tür vor der Nase zuschlägt, schließlich wollte sie ihn und alles, was er ist, nicht haben, als sie noch am kaiserlichen Hof weilte. Sie will den schönen Prinzen nur, weil sie in Not geraten ist, nicht etwa aus Zuneigung oder gar Liebe. Sie hat ihr Schicksal selbst besiegelt und muss nun die Konsequenzen tragen.

Damit ist die zweite Frage, wie ich zu der Moral des Märchens stehe, schon fast beantwortet. Andersen wendet sich hier gegen die Dekadenz und den Hochmut des Adels, der keinen Sinn für das Wahre, Schöne hat und nur dem künstlich Geschaffenen Wert zugesteht. Das Märchen erzählt eine Geschichte, in der sich Liebe in Verachtung wandelt, weil der Prinz erkennt, dass die Frau seines Herzens mehr Schein ist als Sein. Von ihr wird er keine aufrichtige Liebe bekommen. Warum also sollte er sie nehmen, nachdem sie ihn vormals noch verschmähte? Es wird am Ende eben doch nicht immer alles gut, auch nicht im Märchen.

Kleines Glück – schöne Momente und Dinge (Blogparade)

Viele Menschen sind so sehr damit beschäftigt, dem großen Glück hinterherzujagen, dass sie kein Auge für die kleinen Dinge haben, die das Leben versüßen. Gerade wenn man wie ich zu Depressionen neigt ist es wichtig, den Blick dafür zu bewahren. Das ist nicht immer leicht, gerade in trüben Zeiten verliert man schnell den Blick dafür. Daher werde ich in meinem Blog künftig über Dinge und Erlebnisse schreiben, die mich glücklich machen.

Und was macht Dich glücklich?

Ich möchte Dich mit dieser Rubrik dazu einladen, darüber nachzudenken, welche Kleinigkeiten Dein Leben reicher und schöner machen. Es geht dabei ausdrücklich nicht um große Wendepunkte im Leben wie eine neue Liebe, die Gründung einer Familie oder eine tolle berufliche Möglichkeit. Darin steckt zwar ein großes Glückspotential, doch der Weg dorthin lang. Mir geht es darum, gemeinsam herauszufinden, wie wir uns kleine Glücksmomente schaffen können, die uns auch dann aufrecht halten, wenn vieles in unserem Leben nicht stimmt oder wir traurig und niedergeschlagen sind.

Daher verbinde ich diesen Post mit einer dauerhaften Blogparade. Normalerweise gibt es einen Termin, bis zu dem die Artikel eingehen sollen. Doch wir sollten nie aufhören, Glücksmomente zu sammeln. Entsprechend wird es auch für die Blogparade kein Ende geben.

Wann immer Dir etwas zu diesem Thema einfällt, kannst Du teilnehmen. Verlinke hierzu einfach Deinen Artikel in den Kommentaren. Statt des üblichen Schlussartikels wird es immer wieder zusammenfassende Artikel zu den neu dazu gekommenen Beiträgen geben. Diese verlinke ich auch untereinander. Mit der Zeit entsteht so eine schöne Sammlung des kleinen Glücks.

Ich freue mich, wenn Du mitmachst! Das kannst Du übrigens auch ohne eigenen Blog, schöne Kommentare sind ebenfalls willkommen.

Gedankenkreisen und innerer Alarm

Das Tückische an einer Depression ist, dass sie zum Grübeln einlädt. Es heißt, dass jede Wirkung eine Ursache hat. Wenn ich niedergeschlagen bin, kraftlos, ausgelaugt, ohne Energie, an nichts mehr interessiert, dann liegt dies, sofern es keinen konkreten Auslöser gibt, daran, dass ich krank bin. Dies als Grund anzuerkennen ist ein wichtiger Schritt, denn es hilft gegen den Kreislauf der Ursachenforschung, der alles nur noch schlimmer macht.

Grübeleien helfen nicht

Stellt euch vor, es geht euch aus dem Nichts schlecht. Ihr versteht nicht, was los ist, denn es gibt keinen Anlass, traurig zu sein. Niemand hat euch verlassen, euer Job ist weder bedroht noch schrecklich, die Sonne scheint, ihr habt vielleicht sogar tolle Freude und einen wunderbaren Partner oder eine fantastische Partnerin. Und doch fühlt ihr euch mies und würdet euch am liebsten verkriechen, einschlafen und nicht wieder aufwachen. Was würdet ihr in solch einer Situation tun?

Viele würden sicher das tun, was ich früher immer gemacht habe: darüber nachdenken, woher diese schlechte Stimmung kommen könnte. Und damit sind wir mitten drin in einer Gedankenspirale, die immer weiter in den Abgrund führt. Denn fast zwangsläufig landet man dabei bei all den Dingen, die schief gelaufen sind im Leben, bei Situationen, die einen belasten. So wühlt man sich in eine Vergangenheit, aus der die schönen Momente herausgefiltert sind, denn an ihnen kann es ja nicht liegen, dass es einem gerade so mies geht. Und schon ist das ganze Elend präsent. Geht es einem dadurch besser? Nein.

Daher ist es eine gute Hilfe, dass ich einen Namen dafür habe. Ich brauche nur noch bis zu „Das ist die Depression!“ zu denken und kann den ganzen anderen Mist einfach weglassen. Zumindest theoretisch. Praktisch klappt es nicht immer. Manchmal merkt man zu spät, dass man sich mitten in den Gedankenstrudel gestürzt hat. Aber ich arbeite weiter daran, das möglichst früh zu erkennen.

Der innere Alarm schrillt

Während das Eintauchen in die Negativspirale ein Prozess ist, der sich langsam entwickelt und den man, sofern man ihn rechtzeitig erkennt, stoppen kann, ist der innere Alarm sofort in ohrenbetäubender Lautstärke da. Wobei der Vergleich nicht ganz treffend ist, da ich ihn nicht höre, sondern spüre, in jeder Faser meines Körpers. Meine Depressionen waren von jeher von Ängsten begleitet, in unterschiedlichen  Ausprägungen und Formen. Manches habe ich wieder überwunden, so ist meine Sozialphobie inzwischen nicht mehr annähernd so stark, wie sie einmal war, auch wenn sie mich in manchen Situationen noch einholt.

Doch manchmal erwischen mich Angstattacken eiskalt aus dem Hinterhalt. Themen, die mich in guten Phasen zwar berühren, mit denen ich aber umgehen kann, können plötzlich einen derart starken Reiz entwickeln, dass das ganze mühsam aufgebaute Gleichgewicht in sich zusammenstürzt. Oft geht es dabei um Dinge, die ich glaubte, verarbeitet zu haben, da ich zwischenzeitlich gut damit umgehen konnte. Vielleicht fehlt dadurch eine Art Voralarm, der mich darauf hinweist, dass ich aktiv werden muss, um ruhig zu bleiben. Es wird sofort laut und schrill, die Luft wird dünn, und ich kann mich gerade noch daran erinnern, dass ich atmen muss. Dennoch fühlt sich mein Brustkorb an, als würde er Lunge und Herz zerdrücken. Innerhalb von Sekunden zittere ich, weine ich, japse nach Luft, das ganze Programm. Danach bin ich erschöpft und brauche Stunden, oft Tage, um mich wieder zu erholen. Dieses Mal hat mich die Angst eiskalt erwischt, denn ich fühlte mich schon wieder stabiler, dachte ich sei auf dem Weg der Besserung, doch solch eine Situation wirft mich wieder um Tage zurück.

Das geschieht wenigstens nur in depressiven Phasen. Das Energielevel ist gering, die innere Anspannung an der oberen Grenze des Normalbereichs, vielleicht ein wenig drüber. Kleine Belastungen summieren sich, und dann reicht nur ein Ereignis, um alles zum Überkochen zu bringen. Ja, das mit dem Überkochen ist ein treffender Vergleich. Erst sprudelt das Wasser leicht, dann blubbert es, und erwischt man nicht den rechten Moment, um es vom Herd zu nehmen, ist es nicht mehr zu bändigen. Ähnlich ist es mit der Angst. Sie in den Griff zu bekommen, ist eine große Herausforderung. Jeder Rückschlag lässt mich zweifeln, ob ich sie und meine Depressionen je werde hinter mir lassen können. Aber ich werde es versuchen, immer wieder, und mit jedem Mal lerne ich mehr und bin besser gewappnet für den nächsten Absturz.

 

Tagesstruktur

Wie ich bereits in einem meiner vorigen Artikel erwähnt habe, war das Einführen einer Tagesstruktur von allen Empfehlungen für den Umgang mit Depressionen diejenige, die ich am wenigsten mochte. Ich habe die Umsetzung daher lange hinausgezögert. Die Struktur durch meinen Job sollte doch genügen, so dachte ich.

Allerdings hatte ich zunehmend das Problem, dass ich gefühlt kaum Zeit für die Dinge hatte, die ich gerne tun wollte, geschweige denn für die, die ich tun musste. Das kann schnell zu einer Abwärtsspirale beitragen, etwa wenn die Wohnung in einem unschönen Zustand ist, ich weiß, dass ich aufräumen sollte, aber weder die Motivation finde noch den passenden Zeitpunkt.

Planung, die zu mir passt

Ein völlig starrer Plan, der meinen Tag minutiös durchplant, ist jedoch keine Lösung für mich. Ich brauche ein Mittelding zwischen voller Flexibilität und einschränkender Struktur. Inzwischen gehe ich zu einer festen Zeit ins Bett, auch an freien Tagen und stehe nach spätestens 8 Stunden auf. Der nächste Schritt ist, aufzustehen, wenn ich wach bin. Das klappt bereits manchmal, aber noch nicht immer, was in Ordnung ist, denn es braucht Zeit, sich an Dinge zu gewöhnen.

Früher habe ich entweder fast meine gesamte Freizeit für mein Studium geopfert oder gar nichts gemacht – ein Auf und Ab, das auf Dauer nicht funktioniert. Nun habe ich mir vorgenommen, jeden Tag etwas für die Fernuni zu machen, egal wie viel. So komme ich immer etwas voran, ohne mich unter Druck zu setzen. Wenn ich alle Informationen zusammengetragen habe, die ich für eine Hausarbeit brauche, melde ich mich an. Das kann im kommenden oder erst im übernächsten Semester sein, das ist okay.

Ähnlich gehe ich mit dem Schreiben vor. Ich arbeite jeden Tag an meinem Manuskript, und sei es nur ein Satz oder eine kleine Überarbeitung. Dadurch gewinne ich mehr Routine. Inzwischen ist die Rohfassung meines Mordred-Romans bereits auf über 60 Seiten gewachsen, Tendenz steigend.

Für den ungeliebten Haushalt gilt, dass ich jeden Tag zumindest eine Kleinigkeit mache, so kann das große Chaos gar nicht erst entstehen. Es muss bei mir nicht penibel sauber sein, ich bin auch kein Ordnungsfanatiker, ich möchte mich einfach wohlfühlen, ohne an jeder Ecke offene Erledigungen zu sehen.

Anfangs hatte ich geschrieben, dass ich nun nach Plan bei NewMoove trainieren wollte, doch davon bin ich abgekommen. Hintergrund ist, dass in den vorgefertigten Trainingsplänen immer Kurse dabei sind, mit denen ich nichts anfangen kann. Es ist schwer, sich zu etwas zu motivieren, das keinen Spaß macht. Stattdessen trainiere ich nun jeden zweiten Tag und ziehe das auch weitgehend durch. Ich mache jeweils das, was mir gerade guttut. Mal muss ich mich eher auspowern, mal brauche ich ein Workout, das mich eher entspannt. Inzwischen habe ich mich zusätzlich bei Fitnessraum angemeldet, um die Auswahl zu erhöhen.

Freie Tage als Planungspausen

Da ich grundsätzlich kein Planungsmensch bin, gönne ich mir an meinen freien Tagen eine Pause davon, zumindest teilweise. Der grobe Tagesplan bleibt bestehen: Spätestens um 9:00 Uhr stehe ich auf und gehe abends ca. um 1:00 Uhr ins Bett. Doch für die Zeit dazwischen plane ich nichts. Wenn ich keine Lust habe, etwas für die Uni zu tun oder zu schreiben, dann lasse ich es. Es darf auch mal ein Tag dabei sein, an dem ich nur Tee trinke und Filme schaue, alles ist okay.

Bislang fahre ich gut damit, und es geht mir allgemein etwas besser. Manchmal gibt es noch die emotionalen Abstürze, die mich in kurzer Zeit wieder ganz nach unten ziehen, aber sie gehen deutlich schneller vorbei als zu Beginn meiner depressiven Episode.

Was leider nur langsam besser wird, ist meine grundsätzliche Reizbarkeit. Ich reagiere noch sehr empfindlich auf Störungen. Das wird sich hoffentlich mit der Zeit ebenfalls geben. Ich will meiner Depression jedenfalls so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten. Die Grundstimmung ist noch gedrückt, aber ich mache weiter, auch wenn ich den Effekt nicht immer gleich spüre. Oft liegt er nur darin, dass es nicht noch weiter nach unten geht. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

Weniger Ablenkung durch Apps?

Zu den Dingen, die ich angehe, um meine derzeitige Depression gut zu überstehen gehört auch die Kontrolle des Medienkonsums. Ich möchte mir abgewöhnen, während ich einen Film schaue oder lese in soziale Netzwerke zu schauen. Dadurch geht zu viel Zeit verloren. Der Versuchung zu widerstehen fällt mir schwer. Ich nehme es mir vor und scheitere.

Daher wollte ich es für die Übergangsphase mit Apps und einem Computerprogramm versuchen. In meinem letzten Artikel habe ich darüber geschrieben. Nun habe ich alles eine Weile getestet und berichte euch von meinen Erfahrungen.

Cold Turkey – Ablenkungen am PC blocken

Das Programm bietet verschiedene Optionen. Eine davon ist der Timer, der eine bestimmte Liste mit Webseiten für eine selbst festgelegte Zeit blockiert. Außerdem gibt es einen Wochenplan und die Möglichkeit, den ganzen PC zu sperren. Sowohl beim Timer als auch bei den Plänen kann man Änderungen bis zu einem individuell gewählten Zeitpunkt ausschließen. Außerdem lassen sich für die Blockzeiten Pausen konfigurieren, beispielsweise 5 Minuten Freigabe nach 120 Minuten Arbeitszeit.

Meine ersten Erfahrungen waren positiv. Sowohl das Blocken als auch die Freigabe funktionierten reibungslos. Dann musste ich eine Systemwiederherstellung machen, bei der auch Cold Turkey deinstalliert wurde. Die Einstellungen wurden dabei gelöscht. Das ist kein Problem, schließlich kann man das Programm neu installieren. Allerdings wurden die angegebenen Seiten danach nicht mehr geblockt. Eine weitere Deinstallation und Neuinstallation schaffte jedoch Abhilfe, und es klappt alles wieder wie es soll.

Fazit: Abgesehen von vorübergehenden Problemen nach der Systemwiederherstellung funktioniert das Programm sehr gut. Ich nutze es gerne, wenn ich etwa eine Stunde in Ruhe schreiben möchte oder um bei der Arbeit nicht abgelenkt zu werden.

Break Free und Offtime fürs Smartphone

Break Free fand ich anfangs super. Es bietet zum einen die Option, zu bestimmten Zeiten Benachrichtigungen, Anrufe oder beides zu blockieren, zum anderen protokolliert es die Handynutzung. Ein niedlich gezeichneter Mönch und Kommentare wie „Sie sind so schön ohne Ihr Handy“ sorgen für einen gewissen Spaßfaktor. Außerdem kann man sich Auszeichnungen für diverse Leistungen wie das Verbleiben im grünen Bereich sichern. Ebenfalls super: Es können auch Apps von der Aufzeichnung ausgeschlossen werden. Schließlich brauche ich das Programm nur für ablenkende Apps.

So weit, so gut, doch nun kommen wir zum problematischen Teil: Mehrmals ist es mir schon passiert, dass ich erst einen „Suchtwert“ von 20-30 hatte, was dem grünen Bereich entspricht. Doch plötzlich schoss es auf 100 Prozent, und zwar ohne dass ich viel am Handy gewesen wäre. Auch die Neuinstallation brachte keine Besserung.

Fazit: Theoretisch spaßig und hilfreich, die Motivation verschwindet jedoch aufgrund falscher Angaben.

Offtime hat mich hingegen nicht enttäuscht. Es bietet die Möglichkeit, sich eine Auszeit von 90 Minuten zu nehmen, während alle Apps geblockt werden, außer man schließt diese in den Einstellungen aus. Außerdem gibt es einen individuell konfigurierbaren Planer.

Schön finde ich auch, dass es mehrere Optionen gibt, ob und wie eine Offtime beendet werden kann. Die Standardeinstellung ermöglicht dies nach einer Wartezeit von 60 Sekunden.

Fazit: Nützliche App, weniger Spielereien als bei Break Free, dafür aber zuverlässig.

Gesamtfazit:

Ich habe viele Stärken, Selbstdisziplin gehört eher nicht dazu. Ich werde zwar immer besser darin, mich zu Dingen wie Sport aufzuraffen, doch nicht ständig irgendwo im Netz rumzuhängen fällt mir schwer. Es geht ja auch so schnell, nur ein kurzer Klick, nur einmal kurz aufs Display getippt, und schon hängt man irgendwo fest. Das ärgert mich, aber ich bekomme es schwer los. Cold Turkey am PC und Offtime auf dem Handy sind mir dabei eine gute Stütze.

Auch das ständige Checken sozialer Netzwerke hat Suchtpotential. Sonst wäre es leichter, die Finger davon zu lassen oder zumindest deutlich weniger Zeit dort zu vertrödeln. Für mich sind solche Programme eine gute Möglichkeit, mich selbst daran zu erinnern, dass ich viele andere Dinge tun könnte und oft auch sollte. Mit jedem Tag brauche ich sie weniger, dennoch bin ich froh, dass ich sie habe, denn sie sparen mir wirklich viel Zeit.

 

Verändern, was zu ändern ist und akzeptieren, was nicht beeinflussbar ist

Ich bin empfindlich, dafür kann ich nichts. Meine Therapeutin vermutete eine Hochsensibilität, da ich ungewöhnlich stark auf äußere Reize reagiere. Das ist ein Fakt, den ich akzeptieren muss, ebenso wie dass ich Depressionen habe, die wiederkommen können. Was ich aber ändern kann, ist mein Umgang damit.

Neue Gewohnheiten antrainieren und beibehalten

Nach der letzten Depression habe ich den Fehler gemacht, vieles wieder aufzugeben. Unter anderem habe ich zu früh und eigenmächtig die Medikamente abgesetzt. Ich gehe ungern zu Ärzten und wollte mir weitere Besuche ersparen. Wenn ihr Antidepressiva nehmt, macht das bitte nicht. Oft muss man sie Monate über die akute Phase hinaus nehmen, um einen Rückfall zu vermeiden.

Ich habe während meiner Therapie mit dem Laufen begonnen, doch nach meiner ersten Laufveranstaltung war ich lange erkältet und habe danach den Wiedereinstieg nicht geschafft. Das ist schade, denn es hat mir gutgetan. Als es dann kalt und grau wurde, wollte ich ersatzweise anderen Sport machen, weil ich eigentlich weiß, dass Bewegung gut für mich ist. Ich habe mehrmals halbherzig angefangen und dann wieder aufgehört. Es gab immer einen Grund, eine leichte Erkältung, Unwohlsein, Erschöpfung. Oder ich habe schlicht nicht daran gedacht.

Daher beginne ich nun mit etwas, gegen das ich mich immer gesträubt habe: Ich plane meine Tagesstruktur. Das wurde mir schon mehrfach empfohlen, doch ich habe mir immer gesagt, dass dies zu den Dingen gehört, die mir nichts bringen. Ich wollte lieber nach meinem eigenen Rhythmus leben, mir nicht auch noch für die Freizeit Vorschriften machen. Nur funktioniert es so nicht auf Dauer. Es geht viel Zeit verloren, die ich nicht bewusst erlebe, sie schwindet dahin, ich bekomme wenig auf die Reihe und ärgere mich darüber. Dieses Problem muss ich also angehen.

Um nach dem Schlaf wirklich erholt zu sein, sollen feste Zeiten helfen. Ob das auch bei mir so ist, probiere ich gerade aus. Um 1:00 Uhr mache ich das Licht aus, und um 8:07 klingelt der Wecker, spätestens 8:29 Uhr stehe ich auf. Ich zwinge mich, damit ich nicht stundenlang im Bett liege. Dadurch vertrödele ich automatisch weniger Zeit. Außerdem habe ich bei der Online-Plattform NewMoove ein Body & Mind-Programm gebucht. Dieses beinhaltet drei Videokurse pro Woche. Und die mache ich auch. Die erste Woche habe ich hinter mir, und ich stelle fest, dass Yoga doch gar nicht so doof ist und mir tatsächlich hilft, ruhiger zu werden. Ich konnte damit bislang wenig anfangen, dachte mir aber, dass es einen Versuch wert ist. Nun habe ich mir fest vorgenommen, dem Trainingsplan zu folgen. Schluss mit „Ich mach halt einfach irgendwas, wenn ich Lust dazu habe.“ Die habe ich dann nämlich nie. Und mit der Zeit gewöhne ich mich sicher daran.

Wer überall zugleich ist, ist nirgendwo

Zumindest nicht mit voller Konzentration und Aufmerksamkeit. Es ist symptomatisch für unsere moderne Welt, dass wir immer mehrere Dinge gleichzeitig machen. Insbesondere soziale Netzwerke sind für mich in dieser Hinsicht fatal. Ich sehe mir einen Film an, gehe auf dem Handy „kurz“ auf Facebook, finde hier eine interessante Meldung und da noch eine spannende Gruppendiskussion und bekomme nur die Hälfte mit. Das ist ungesund, weil es Zeit ist, die ich nicht bewusst wahrnehme. Oft nehme ich mir vor, nicht aufs Handy zu spicken und tue es dann doch. Ähnlich ist es mit dem Schreiben. Ich möchte an meinen Büchern arbeiten und verliere mich im sozialen Netzwerk.

Ein kompletter Abschied von Facebook wäre für mich aber keine Lösung, denn ich schätze einige Kontakte dort, insbesondere das Autorennetzwerk. Ich kenne niemanden persönlich, der sich mit dem Schreiben beschäftigt, daher ist mir der Austausch wichtig – aber nur dann, wenn ich nichts anderes tue.

Diese Problem gehe ich nun mit einem kalten Truthahn an. Cold Turkey (englischer Ausdruck für einen kalten Entzug) ist ein Programm, mit dem man selbst gewählte Internetseiten für bestimmte Zeiten sperren kann. Mit der kostenpflichtigen Pro-Version (umgerechnet 12,58 €), die ich mir gegönnt habe, ist auch eine komplette Sperre des Computers möglich. Der besondere Clou an dem Programm: Man kann eingeben, bis zu welchem Datum die Einstellungen unveränderbar sein sollen. Schummeln ist ausgeschlossen, auch nach einem Neustart bleiben die eingegebenen Sperren aktiv. Damit eine versehentliche Falscheingabe nicht über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleibt, empfehle ich daher, die Einstellungen zu machen, bevor man ein Datum festlegt. In der Free-Version sind wohl nur ein paar Tage einstellbar, habe ich gelesen, genau weiß ich es nicht, da ich mich gleich für die Pro-Variante entschieden habe. Ich habe eine komplette Sperrzeit über Nacht, die mich auch davon abhält, morgens gleich am PC zu sitzen und dazu einige Zeiten, in denen ich Facebook und Co. erst nach einer selbst festgelegten Phase der Abstinenz für einige Minuten freigeschaltet werden. Ich habe das Programm in einem Bundle gekauft, Writer’s Block Pro war ohne Aufschlag dabei. Dieses Programm sperrt den PC so lange, bis eine festgelegte Wortzahl geschrieben wurde oder der Timer abgelaufen ist. Allerdings ist dies nur direkt in der Eingabemaske möglich, die Speicherung klappt nur als .txt.

Ebenso verlockend wie der PC ist das Handy. Dort habe ich nun die App BreakFree installiert, ebenfalls in der Pro-Variante (2,49 €), ich mag nämlich keine Werbung. Sie bietet die Möglichkeit, das Internet für bestimmte Zeiten zu deaktivieren. Außerdem kann man einen zusätzlichen Sperrbildschirm einbauen, der einen fragt, ob man wirklich sein Handy checken möchte und mit einem Timer Benachrichtigungen, die Internetverbindung oder Anrufe vorübergehend blockieren. Zusätzlich zeigt die App die Nutzungsdauer an, farblich veranschaulicht mit einem grünen, einem gelben und einem roten Bereich. Schön ist auch, dass auf Wunsch beim Entsperren des Bildschirms zusätzlich bestätigt werden muss, dass man das wirklich möchte. Zur Ergänzung nutze ich OffTime, da ich damit gezielt bestimmte Apps zulassen kann, der Zugriff auf alle anderen ist gesperrt. Dafür genügt die kostenlose Version.

Ich bin sehr gespannt, wie es mir damit gehen wird.

Innehalten, fokussieren, weitermachen

Seit meinem letzten Text sind nun einige Tage vergangen. Ich habe sie genutzt, um die Daueranspannung abzubauen, innezuhalten und darüber nachzudenken, was ich ändern kann, damit die Negativspirale nicht wiederkommt oder sich zumindest eindämmen lässt. Schon seit dem Spätsommer merkte ich, dass es stetig abwärts ging. Ich bin oft aus dem Haus gegangen, ins Theater oder Musical oder einfach nur in ein Café, weil ich weiß, das mir das guttut. Es hat aber leider nicht gereicht, um mich dauerhaft stabil zu halten. Der Aufmunterungseffekt wurde immer geringer, ebenso wie die Freude daran. Daher musste ich gegensteuern. Wenn selbst die Dinge, die ich liebe mich kaum noch berühren, ist es Zeit zu handeln. Inzwischen weiß ich das, ich habe aus vorhergehenden Depressionen und einer Verhaltenstherapie gelernt, mehr auf mich zu achten. Dennoch habe ich lange gewartet, vielleicht länger als gut für mich ist. Obwohl ich mich darin übe, meine depressiven Episoden anzunehmen und zu akzeptieren, fällt es mir manchmal schwer, sie nicht als Niederlage zu sehen, weil ich mehr hätte tun können, um sie abzufedern.

Die Abwehr einer Depression ist ein Prozess

Daher ist es falsch, sich Vorwürfe zu machen. Den Kampf gegen die Depression muss man trainieren, und Rückschläge kann es immer geben. Daher lenke ich meinen Blick auf die Fortschritte, die ich im Vergleich zur letzten Episode gemacht habe. Ich warte nun nicht mehr ganz so lange ab, bis ich mir Hilfe suche, was auch bedeutet, dass es leichter ist, wieder aus dem Loch herauszukommen, da es nicht ganz so tief ist. Ein deutliches Warnzeichen war für mich, dass ich teils Heulkrämpfe von einer Stunde oder länger hatte und mich so unter Druck fühlte, dass ich mir über die Arme kratzte. Also ging ich zum Arzt und wurde zwei Wochen krank geschrieben, um dem Dauerstress zu entfliehen. Die zwei freien Tage zwischen den Arbeitsphasen reichten nicht mehr, um mich zu erholen. So ging ich mit einem gewissen Grundstress in jede neue Arbeitswoche, und er erhöhte sich Tag für Tag. An den freien Tagen war ich oft nur kaputt, wusste nichts mit mir anzufangen und hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich die Zeit nur vortrödelte. Ich habe nicht geschrieben, kaum gelesen und wenn ich einen Film sah, dann ohne ihn wirklich mitzubekommen. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben an mir vorbeizieht und fühlte mich dadurch noch schlechter. Auch die Woche Urlaub, die ich gleich im Januar genommen habe, konnte daran nichts mehr ändern. Daher war es ein wichtiger Schritt, zu erkennen, dass ich so alleine nicht mehr weiterkomme.

Das eigene Leben reflektieren

Ich habe vieles auf meinen Job geschoben, weil es da greifbare Dinge gab, die sich geändert haben und mir nicht gefielen. Was ich an meiner Arbeit mag, konnte ich in meiner Depression gar nicht mehr sehen. Vielleicht hat auch der Gedanke geholfen, dass ich erst wieder arbeiten muss, wenn es mir wieder gut geht. Mein Arzt hat in Aussicht gestellt, dass er mich eventuell noch länger krank schreiben würde. Aber das will ich gar nicht. Ich möchte meinen Alltag bewältigen, und die Arbeit gehört dazu. Kein Job ist perfekt. Im Großen und Ganzen bin ich mit meinem aber zufrieden, doch das habe ich mit meinem depressiv getrübten Blick ausgeblendet. Nun konnte ich mich erholen, das Antidepressivum beginnt langsam zu wirken, das Stresslevel ist annähernd auf Null. Ich freue mich darauf, wieder zu arbeiten, auch wenn ich zugebe, dass ich ein wenig Angst davor habe, es doch nicht zu packen. Aber dann kann ich immer noch sagen: Okay, es war zu früh, ich brauche noch ein bisschen Zeit.

Zwei Dinge sind mir aber klar geworden: Ich bleibe oft nicht lange genug am Ball und ich erlebe meine Freizeit viel zu selten bewusst. Diese Probleme teile ich mit unzähligen Menschen auf der Welt. Nur stressen sie mich mehr als viele andere und sind daher mit ein Auslöser oder zumindest Verstärker für meine Depression. Daher sind das die Baustellen, an denen ich arbeiten muss. Im nächsten Artikel erzähle ich euch, wie ich das angehe.

 

Als die Depression die Muse bezwang

Ich komme mit dem Schreiben nicht voran, weil meine Muse zu schwach ist. Schwächer als die Depression, die sich an mich klammert. Die meiste Zeit ist sie still, läuft leise mit, schaut sich an, was ich alles tue, um sie zu vertreiben und lacht leise.

Geh raus, beweg dich, mach mal Sport, ernähr dich gesund, dann geht’s dir auch besser. Das sagen jene, die nicht wissen, wie es ist, rauszugehen, sich zu bewegen, Sport zu machen und zu essen, wenn es sich nach nichts anfühlt. Wenn einem der eigene Körper dabei fremd vorkommt. Und wie es ist, Dinge zu tun, von denen man weiß, dass sie einem guttun und einen sonst glücklich machen und merkt, dass nichts in einem ankommt oder zumindest nur sehr wenig. Wie anstrengend es ist, trotzdem weiterzumachen, weil man weiß, dass es sonst noch schlimmer wird. Und wie frustrierend es ist, wenn man sich zusammenreißt und es trotzdem schlimmer wird, und was man von den Leuten hört ist: Reiß dich halt mal zusammen. Weil sie nicht ahnen, wie es aussehen würde, wenn man sich nicht zusammenreißt. Und nicht verstehen, wie es sich anfühlt, wenn schon Aufstehen ein Kraftakt ist oder sich einen Tee zu kochen.

Erreicht man den Punkt, an dem man merkt, dass nichts mehr geht und die Notbremse zieht, sich eine Auszeit nimmt, Hilfe sucht, fühlt es sich wie Versagen an. Hätte ich mehr tun können, mich mehr zusammennehmen? Und darf ich das wirklich oder muss es irgendwie gehen, bis wirklich gar nichts mehr geht?

Ich schreibe das nicht, weil ich Mitleid will. Das hilft mir ebenso wenig wie die meisten wohlgemeinten Tipps. Ich schreibe das, weil Depressionen immer noch stigmatisiert werden. Weil man als Sensibelchen und Drückeberger gilt. Weil man belächelt wird, wenn man wegen Kleinigkeiten weint oder gereizt ist, weil kaum einer versteht, dass das eine Krankheit macht. Dass man weint und gereizt ist, weil man leidet. An Leere. An Sinnlosigkeit. An einer Negativspirale, die nicht einfach verschwindet, wenn man einen Tee trinkt oder mal ’nen Tag ausspannt.

Weil ich will, dass ihr da draußen versteht, dass eine Depression genauso stark an den Kräften zehrt wie eine Grippe. Nur anders.

Ich bremse mich nun aus. Ich bin erschöpft. Vielleicht werde ich drüber schreiben, vielleicht hilft das ja, weil das ein Thema ist, über das ich gerade dann etwas zu sagen habe, wenn mein Kopf vor einer Geschichte wie leergefegt ist und ich mich auf nichts mehr konzentrieren kann. Einen Versuch wäre es wert …